Vom TrackIQ-Pacing zum Gerät: so wird aus der Strategie ein fahrbares Workout

Eine Leistungsstrategie ist erst dann wirklich nützlich, wenn du sie auf der Straße oder am Trainer tatsächlich fahren kannst – ohne ständig auf Tabellen zu starren oder in der Hitze des Rennens zu improvisieren.

Genau dafür ist der Export da: Du lässt dir mit TrackIQ eine segmentbasierte, physikalisch konsistente Power-Verteilung berechnen – und wandelst sie anschließend in ein Format um, das Radcomputer und Indoor-Plattformen als Workout verstehen.

In diesem Beitrag geht’s um zwei typische Ziele:

  • FIT für strukturierte Workouts auf einem Radcomputer (z. B. Garmin Edge)
  • ZWO (Zwift Workout Format) für Indoor-Plattformen und Editoren (z. B. Zwift Workout Builder, MyWhoosh Workout Builder)

Wichtig vorweg: Die Tool-Landschaft entwickelt sich ständig weiter. Mal ist ein Web-Editor der schnellste Weg, mal ein Sync-Workflow über eine Trainingsplattform. Am wichtigsten ist dabei nicht das konkrete Tool, sondern das Ergebnis: ein FIT- oder ZWO-Export, den dein Radcomputer oder deine Indoor-Plattform zuverlässig versteht. Und genau dafür gibt es mittlerweile viele Lösungen – teils direkt integriert, teils über bewährte Zwischenschritte.


Schritt 1: Strecke holen – aus GPX/TCX oder direkt aus der Race-Datenbank

Der Startpunkt ist immer die Strecke. In RaceYourTrack kannst du sie auf zwei Arten laden:

Wenn du bereits eine Datei hast, importierst du sie als GPX/TCX. Alternativ wählst du eine Strecke direkt aus der Event-/Routen-Datenbank (z. B. IRONMAN®-Kurse). Und wenn deine Route bereits in deiner Trainingshistorie liegt, kannst du sie je nach Setup auch direkt aus Strava® importieren. Das spart dir die Suche nach „der richtigen GPX“ und sorgt dafür, dass du sofort in die Simulation einsteigen kannst.

Sobald die Strecke drin ist, steht das Fundament: Höhenprofil und Segmentierung.


Schritt 2: TrackIQ laufen lassen – und die Strategie „fahrbar“ begrenzen

TrackIQ löst ein sehr konkretes Problem: gleiche Watt überall sind selten optimal. Ein zusätzliches Watt bringt bergauf oder im Gegenwind oft viel mehr Zeitgewinn als bei sehr hoher Geschwindigkeit im Flachen oder bergab. TrackIQ nutzt genau diese Physik und verteilt Leistung so, dass die Fahrzeit minimal wird – ohne dass die Gesamtbelastung ausufert.

Damit das Ergebnis nicht nur „am Papier schnell“, sondern auch realistisch fahrbar ist, wird die Strategie über klare Grenzen gesteuert:

  • Intensitätsverhältnis (%): wie hoch die Zielbelastung relativ zur Schwellenleistung sein darf
  • Maximale Schwellenleistung (%): wie stark Leistungsspitzen gedeckelt werden

Je nach Setup (und optionalen Zusatzregeln wie einer Spike-/Budget-Logik) entsteht daraus ein Profil, das typisch so aussieht: mehr investieren, wo Sekunden „billig“ sind (Anstiege, Gegenwind), und bewusst sparen, wo zusätzliche Watt kaum Nutzen bringen.


Schritt 3: Aus dem Pacing-Plan wird ein Workout

Der TrackIQ-Output ist segmentbasiert. Damit Geräte und Plattformen damit arbeiten können, wird diese Segment-Logik in strukturierte Schritte übersetzt.

In der Praxis heißt das: Aus vielen kleinen Streckenabschnitten werden Workout-Blöcke, die du gut fahren kannst (z. B. 30–120 Sekunden pro Abschnitt, je nach Streckencharakter). Glättung sorgt dafür, dass die Leistung nicht nervös hin- und herspringt.

Das Ziel ist nicht, jede Bodenwelle als eigenen Step abzubilden – sondern eine Struktur, die

  • die physikalische Logik bewahrt,
  • am Gerät lesbar bleibt,
  • und am Trainer ruhig fahrbar ist.

FIT-Export: Strukturierte Workouts auf Garmin Edge fahren

Ein FIT-Workout ist (vereinfacht gesagt) ein strukturierter Trainingsplan, den dein Radcomputer als geführte Einheit anzeigen kann: Zielwatt, Dauer, nächste Schritte.

Der klassische Weg auf vielen Geräten ist simpel: Du kopierst die FIT-Datei auf das Gerät. Beim nächsten Start importiert der Radcomputer das Workout und verschiebt es intern in seine Workout-Struktur.

Was du erwarten kannst: Draußen wird daraus ein klarer Ablauf: du siehst die Zielbereiche, bekommst Hinweise zum nächsten Abschnitt, und kannst die Strategie abfahren, ohne ständig interpretieren zu müssen.


ZWO-Export: TrackIQ als Zwift- und MyWhoosh-Workout nutzen

ZWO ist das naheliegende Format für Indoor-Workouts, weil es von Zwift & vielen Editoren/Plattformen verstanden wird.

Für Zwift ist der typische Ablauf: ZWO-Datei in den „Workouts“-Ordner deines Zwift-Accounts legen, Zwift neu starten, und das Workout erscheint unter den benutzerdefinierten Workouts.

Für MyWhoosh ist das Prinzip ähnlich, aber workflow-seitig oft noch bequemer: Über den Web-Workout-Builder kannst du ZWO-Dateien hochladen, prüfen/ansehen und anschließend in deine MyWhoosh-Bibliothek übernehmen.

Und wenn du den Feinschliff willst (Beschriftungen, Step-Zusammenlegung, Warmup/Cooldown, kleine Anpassungen), helfen Web-Editoren wie zwiftworkout.com oder der MyWhoosh-Builder. Dort kannst du das Workout bei Bedarf auch kürzen (z. B. einzelne Blöcke zusammenfassen oder entfernen) und – je nach Tool – die Intensitäten über FTP-/Schwellen-Skalierung anpassen, falls du die Einheit an einen anderen Trainingsstand oder eine konkrete Ziel-FTP angleichen möchtest. Welche Oberfläche du dafür nutzt, ist Geschmackssache – entscheidend ist: TrackIQ liefert die Logik, der Editor macht sie „plattformschön“.


Der große Nutzen: eine Strategie, die du wirklich abfahren kannst

Die meisten Pacing-Fehler passieren nicht, weil jemand „zu wenig weiß“, sondern weil im Moment der Entscheidung alles gleichzeitig passiert: Wind, Steigung, Tagesform, Renndynamik.

Ein exportiertes Workout nimmt dir dabei genau das ab, was im Rennen oder im Training am meisten mentale Energie frisst: ständig neu zu entscheiden, ob die Watt gerade sinnvoll sind.

Du fährst die Strecke nicht nach Gefühl „irgendwie konstant“, sondern nach einer Strategie, die bereits den wichtigsten physikalischen Punkt berücksichtigt:

Ein Watt ist nicht überall gleich viel wert.


FAQ

Kann ich aus jeder Strecke ein FIT/ZWO machen – auch ohne Powermeter-Datei?
Ja. Wenn du nur GPX/TCX ohne Leistung hast, kommt die Leistung aus dem Modell (z. B. über eine Strategie/Simulation). Mit Powermeter-Daten wird es präziser, aber zwingend nötig ist es nicht.

Wie fein sind die Schritte im exportierten Workout?
So fein wie nötig, so grob wie möglich. Ziel ist ein ruhiges, fahrbares Workout, das die Streckenlogik abbildet, ohne in Mikro-Intervalle zu zerfallen.

Warum nicht einfach „konstante Watt“ fahren?
Weil gleiche Leistung je nach Geschwindigkeit/Steigung/Wind unterschiedlich viel Zeit bringt. TrackIQ nutzt genau diese Unterschiede, um bei ähnlicher Gesamtbelastung schneller zu werden.

Funktioniert ZWO nur in Zwift?
Nein. ZWO ist weit verbreitet. Neben Zwift unterstützen auch verschiedene Editoren und Plattformen den Import/Export.

Was, wenn sich meine Bedingungen ändern (Wind, Setup, FTP/Schwelle)?
Dann lohnt sich eine neue Simulation. Kleine Änderungen können die optimale Verteilung spürbar verschieben – besonders bei windigen oder welligen Kursen.